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Und nach dem Studium – gleich eine Weiterbildung!?

Von Dr. Stefan Humpl
Geschäftsführer, 3s Unternehmensberatung
Dr. Stefan Humpl, Geschäftsführer 3s Unternehmensberatung © Archiv Obwohl es in Österreich den meisten HochschulabsolventInnen nach wie vor relativ gut und rasch gelingt, nach dem Studienabschluss einen adäquaten Job zu finden, nehmen dennoch prekäre Beschäftigungsformen und Weiterbildungsbedürfnisse bei JungakademikerInnen zu. Parallel dazu werden klassische Trainee-Programme in großen heimischen und internationalen Unternehmen immer seltener. Die Personalverantwortlichen scheinen zunehmend darauf zu vertrauen, dass die AbsolventInnen eines Studiums "ready for work" sind; und sie wissen dabei ganz genau, dass dies nur bei einem Teil der AbsolventInnen der Fall ist.

Berufserfahrung und Zusatzqualifikationen gefragt

Aber sollten nicht gerade AbsolventInnen eines Studiums in der Lage sein, als "vollwertige Beschäftigte" Jobs zu finden? Ein Studium (egal ob berufsvorbildend an einer Universität oder berufsausbildend an einer Fachhochschule) sollte doch die Studierenden mit jenen Kompetenzen ausstatten, die sie am Arbeitsmarkt brauchen, oder etwa nicht? Darauf gibt es aktuell keine eindeutige Antwort und es gab sie wohl auch nie. Es scheint sich aber immer mehr der Trend durchzusetzen, dass Unternehmen am Arbeitsmarkt lieber zusätzliche, nicht im Studium erworbene, Kompetenzen und Berufserfahrungen von den AbsolventInnen verlangen als gleich "frisch von der Hochschule weg" zu rekrutieren. Und das hat auch schon Tradition: So sind etwa entsprechende "Lehrjahre" nach dem Studium in Form von Turnus, Unterrichtspraktikum oder Gerichtsjahr für angehende ÄrztInnen, LehrerInnen oder RechtsanwältInnen und RichterInnen schon lange etabliert. Und die Zahl der längeren Übergänge und zusätzlichen berufsspezifischen und praktischen Aus- und Weiterbildungen nimmt zu.
Hinzu kommt, dass uns das Lebenslange Lernen in allen Karrieren und Branchen begleitet. Die Jobs von heute, und noch mehr die von morgen, sind sogenannte wissensbasierte Jobs – Tätigkeiten, die vom Know-how abhängig sind. Gleichzeitig besagen aktuelle Studien, dass die Distanz zwischen tatsächlicher beruflicher Tätigkeit und den konkreten Studieninhalten immer weiter zunimmt. Moderne Karrieren sind nicht mehr stringent, sondern flexibel und von Karrierebrüchen geprägt. Das bedeutet aber auch, dass der Wissenserwerb nach dem Studium, parallel zur Berufstätigkeit, an Bedeutung gewinnt, sei es in Form einer klassischen Weiterbildung oder im Rahmen des impliziten Wissenszuwachses durch zunehmende Berufserfahrung.

Praktika bereits während des Studiums absolvieren

Wie können sich junge HochschulabsolventInnen auf diese Situation einstellen? Volontariate und Praktika sind eine gute Möglichkeit, erste konkrete berufliche Erfahrungen zu sammeln. Meist ist diese Form der Tätigkeit mit der Hoffnung verbunden, im Unternehmen selbst Fuß fassen zu können. Mit den gewonnenen Erfahrungen sollte es jedenfalls leichter gelingen, am Jobmarkt zu reüssieren. Allerdings ist es hier wichtig, nicht in die Falle der "Generation Praktikum" zu tappen – einer ewig scheinenden Aneinanderreihung unbezahlter Praktika ohne Ausweg in eine bezahlte Karriere. Mögliche Gegenstrategien: Praktika schon während des Studium ansiedeln und auf längstens drei Monate begrenzen.

Sinnvolle Weiterbildungen nach dem Studium

In einer groß angelegten Befragung österreichischer HochschulabsolventInnen wurden diese gefragt, welche Kriterien sie für ihre eigene Rekrutierung am wichtigsten einschätzten. Neben Persönlichkeit, Studienrichtung/Studiengang und Bereitschaft zu (zeitlicher, geografischer) Flexibilität waren dies Computer-Kenntnisse, die fachliche Spezialisierung, praktische/berufliche Erfahrungen und das Abschlussniveau. Damit decken sich die Einschätzungen der AbsolventInnen größtenteils mit den Einschätzungen der potenziellen ArbeitgeberInnen. Es ergeben sich damit aber auch bestimmte Aspekte, die für Weiterbildung gleich nach dem Studium interessant sein könnten:
  • Die fachliche Spezialisierung ist in einem Studium oft nur zum Teil möglich; wenn AbsolventInnen den gewünschten Zielarbeitsmarkt kennen, können sie mit entsprechenden Weiterbildungen (egal ob in Form eines weiterführenden Masterstudiums, einer universitären Weiterbildung oder auch entsprechenden Angeboten von Weiterbildungsträgern) ihr Profil für den Arbeitsmarkt schärfen.
  • Auch Computer-Kenntnisse werden in der Regel in einem Studium nicht vermittelt, wobei hier insbesondere die klassischen Weiterbildungsanbieter mit entsprechenden Kursen locken.
  • In vielen Studien schon berücksichtigt sind Präsentationstechniken oder Projektmanagement, aber auch hier gibt es gute Weiterbildungsmöglichkeiten, sollten diese Aspekte im Studium nicht vorgekommen sein.
Welche Weiterbildung nach dem Studium angestrebt wird, lässt sich häufig auch mit dem jeweiligen Job-Center der Hochschule (etwa dem Zentrum für Berufsplanung an der WU Wien oder an der BOKU) in einem Beratungsgespräch klären. So befremdlich die sofortige Aufnahme einer Weiterbildung nach dem Studium auch klingen mag, so sinnvoll kann sie in manchen Fällen sein. Insbesondere dort, wo sich Hochschulen eben nicht als Provider des entsprechenden berufspraktischen Wissens verstehen.
Autor: red.