Berufseinstieg oder Studium – was tun nach dem Bachelor?

Von Dr. Stefan Humpl
Geschäftsführer, 3s Unternehmensberatung
Mit der Umstellung der Studienarchitektur von Diplomstudium auf Bachelor- oder Masterstudien wurde auch im Fachhochschulwesen ein deutlicher Schritt in Richtung Modularisierung und Mobilität gesetzt. Dennoch fühlen sich viele Studierende nun völlig ratlos, wenn es darum geht, ob ein Masterstudium nach dem Bachelor angeschlossen werden soll, welches denn nun besonders geeignet erscheint und wann der richtige Zeitpunkt dafür ist. Viele betrachten das Bachelorstudium als „Grundstudium“, das aber für sich alleine genommen keinen hohen Stellenwert für den Arbeitsmarkt einnimmt. Deshalb stellt sich für viele die Frage „Master oder Praxis?“ Aber welche Beschäftigungsmöglichkeiten nach dem Bachelor bestehen, wie Unternehmen auf Bachelors reagieren und was sie ihnen bieten können, ist für viele nicht klar.
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Praxis wird empfohlen, aber ein Studium wird gewählt

Die meisten BildungsexpertInnen raten den Bachelors nach ihrem Abschluss Erfahrungen in der Praxis zu sammeln. Damit könne man sich im konkreten Berufsfeld noch besser orientieren und die eigenen Bedürfnisse und Karrierepläne schärfen. Dennoch beginnen derzeit immer noch 70-90% der Studierenden sofort nach Abschluss des Bachelors ein Masterstudium.

In der öffentlichen Diskussion des Bologna-Prozesses (mit dem Bachelor- und Masterstudien die traditionellen Diplomstudien abgelöst haben) wurde der Bachelor vielfach als „Schmalspurakademiker“ bezeichnet. Häufig wurde dieses Vorurteil auch durch die Fachhochschulen und Universitäten selbst bestätigt, die in der Lehrplanentwicklung nicht auf die Anforderung einer „Berufsbefähigung“ für Bachelor-AbsolventInnen geachtet haben. Damit wurde der Bachelor zum „Grundstudium“, dem ein Master als „Vertiefungsstudium“ und „eigentlicher Studienabschluss“ folgt.

Aber auch in jenen Hochschulen, die bewusst die Verpflichtung für eine Neuorientierung nach dem Bachelor setzen (z.B. weil kein entsprechendes „logisches Folgestudium“ besteht), wählt ein Großteil der Bachelor-AbsolventInnen sofort im Anschluss ein weiterführendes Masterstudium.

Bachelors am Arbeitsmarkt – immer noch unbekannt?

Ein wesentlicher Grund dafür ist die Unsicherheit, was der Bachelor auf dem Arbeitsmarkt wert ist. Mittlerweile haben sich die meisten Unternehmen auf den neuen Studienabschluss eingestellt. Bachelors gelten in vielen Branchen (z.B. Banken und Versicherungen) längst nicht mehr als „SchmalspurakademikerInnen“, sondern als potenzielle ExpertInnen und Führungskräfte der Zukunft (natürlich auch mit entsprechender weiterführender Qualifikation). Auch ein berufsbegleitendes Masterstudium wird für eigene „High Potentials“ von vielen Unternehmen unterstützt, ohne dass es dafür spezielle Programme gibt.

Und vereinzelt versuchen Unternehmen neue Wege, um zukünftige „High Potentials“ zu rekrutieren: Mittlerweile gibt es erste Pre-Master-Programme, die aus einem bis zwei Jahren Praxis im Unternehmen mit anschließender Unterstützung für ein Masterstudium bestehen. Andere Firmen locken mit einem „Einstieg als Bachelor und Freistellung für den Master“, damit sich die zukünftigen Führungskräfte intensiv mit den Fragestellungen aus der Praxis in einem akademisch begleiteten Studium auseinandersetzen können.

Praxis als Entscheidungshilfe

Ob nun wirklich nach dem Bachelor sofort ein Masterstudium gewählt wird, ein zwischenzeitlicher Ausflug in die berufliche Praxis unternommen wird oder ob man sich gänzlich von der Hochschule abwendet, um sich beruflichen Herausforderungen zu stellen, obliegt letztendlich den Studierenden selbst. Noch gering entwickelt scheint die Möglichkeit der Mobilität (auch innerhalb Österreichs) zu sein: Nach dem Bachelor kann auch ein Masterstudium an einer anderen Institution gewählt werden (etwa an einer anderen Fachhochschule). Diesen Schritt wagen allerdings viele StudentInnen erst, nachdem sie mehr Klarheit über ihren zukünftigen Berufsweg gewonnen haben – auch hier macht der Umweg über die berufliche Praxis nach dem Bachelor Sinn. Gibt es aber bereits feste Vorstellungen über die eigene zukünftige Karriere und verlangt diese explizit nach einem Master-Abschluss, so kann selbstverständlich nach dem Bachelor auch sofort ein Master begonnen werden.